Nach monatelangen Untersuchungen ohne Handlungsbedarf überschlagen sich im April und Mai 2010 Ergebnisse, Ereignisse und Ämter. Neben Envio werden nun noch andere Firmen des Dortmunder Hafens in den PCB-Skandal gezogen.
Anfang Mai eine Teilstilllegung der Produktion des PCB-Spezialverwerters Envio AG, am 20. Mai 2010 dann die Schließung des kompletten Dortmunder Standorts von Envio, weil drastisch erhöhte Werte an PCB, Dioxinen und Furanen gefunden worden waren. Ab 31. Mai 2010 laufen Blutuntersuchungen von Envio-Mitarbeitern sowie der benachbarten Firmen und der Hafen-Anwohner auf freiwilliger Basis an.
Dortmunder Hafen: Schadstoff-Belastung bei Envio und 3 weiteren Firmen
Am 28. Mai 2010 teilt die Bezirksregierung Arnsberg mit, dass als Ergebnis der Kehrproben, die Ende April bei Envio und sechs weiteren Firmen im Hafengebiet durch das LANUV, gezogen wurden, "eine Nassreinigung der Schrottplätze der Firmen Hittmeyer, Hermstrüwer und Ahle" angeordnet werden muss, obwohl die nicht die Schadstoff-Konzentrationen von Envio aufweisen. Die Fotos unten sind Aufnahmen von Google Earth. In Foto 1 zeigen die darüber gelegten Overlays (von links nach rechts) die Grenzen der jeweiligen Firmengelände: orange - Ahle, gelb - Hermstrüwer, grün - Hittmeyer, rot - Envio (das blau begrenzte Gelände ist das von RRD, die angeblich neutrale Firma, die mit der Reinigung des Envio-Geländes beauftragt wurde)."Laut Gesetz ist die Stadt für die Maßnahmen bei den Firmen Ahle und Hittmeyer, die Bezirksregierung bei der Firma Hermstrüwer zuständig," heißt es weiter in der Pressemitteilung. Bei den ebenfalls Ende April besuchten Firmen Cronimet, Interseroh und Possehl Kehrmann wurden dagegen keinerlei auffällige Werte festgestellt.
Die höchste PCB-Konzentration fand sich auf dem Schrottplatz der Firma Hittmeyer mit 324 mg/kg – der Grenzwert für die Abfallentsorgung liegt bei 50 mg/kg. In der Kehrprobe des Betriebsgeländes der Firma Envio war eine PCB-Belastung von fast 22000 mg/kg gefunden worden. Die betroffene Firma Ahle hat seit 2006 Schrott von Envio erhalten, so dass sich für die Bezirksregierung damit die erhöhten Werte erklären: Envio dürfte betrügerischerweise nicht ordnungsgemäß gesäuberte Rohstoffe an Ahle verkauft haben.
PCB-Reinigung und Spurensuche
Dagegen nimmt die Bezirksregierung an, dass Hittmeyer nicht zu den Envio-Kunden zählt, obwohl die Firmenverflechtungen im Dortmunder Hafen-Sumpf anderes vermuten lassen. Wenn Hittmeyer kein Envio-Kunde ist, stellt sich natürlich die Frage, woher denn nun die erhöhten Gefahrstoff-Werte kommen. Bernd Müller, Chef der Umweltabteilung der Bezirksregierung Arnsberg, geht davon aus, dass es "offensichtlich neben Envio weitere Bereiche im Hafengebiet (gibt), die für die PCB-Belastung im Hafenumfeld mitverantwortlich sein können.“ Die "Immissionsrelevanz der Firma Hittmeyer" soll daher überprüft werden. Mitte Juni 2010 sollen Ergebnisse der Luft-Schadstoffmessungen vorliegen.